Die Queller Schule von 2008 bis 2026
Fortsetzung der Schulchronik von Karl-Gustav Heidemann (Schulleiter der Queller Schule von 1986 bis 2004)
Die Jahre seit 2008 waren für die Queller Schule von großen Veränderungen geprägt. Die Schule entwickelte sich zu einem vierzügigen Standort des Gemeinsamen Lernens mit einem stetig wachsenden Offenen Ganztag. Neue Unterrichtskonzepte, die Digitalisierung und umfangreiche Baumaßnahmen veränderten den Schulalltag. Geblieben ist die enge Verbundenheit mit dem Stadtteil Quelle.
Die Jahre 2008 bis 2013 – Neue Räume und eine neue Schulleitung
Mit der wachsenden Zahl der Kinder in der Offenen Ganztagsschule wurde eine Verbesserung der räumlichen Ausstattung notwendig. 2009 konnte auf dem Schulgelände ein eigenes Mensagebäude eingeweiht werden. Bis dahin waren die Möglichkeiten zur Mittagsverpflegung sehr begrenzt gewesen.
Zum 31. März 2011 verließ Schulleiter Udo Oeing die Queller Schule, um als Seminarleiter in die Lehrerausbildung zu wechseln. Während der Übergangszeit übernahm Konrektorin Christa Merker die Leitung.
Am 20. April 2012 wurde Dominik Braus offiziell zum neuen Schulleiter ernannt. Zuvor war er an der Hellingkamp-Schule und der Herforder Straße tätig gewesen. Die Schule zählte damals 338 Kinder und hatte ein Kollegium von rund 20 Lehrkräften.
Bei der Amtseinführung waren auch die früheren Schulleiter Hermann Wittler, Karl-Gustav Heidemann und Udo Oeing anwesend. Damit trafen vier Generationen von Schulleitern aufeinander, die die Entwicklung der Schule seit 1975 geprägt hatten.
2013 übernahm Jutta Meinderink die Funktion der Konrektorin.
Aus dem Pressearchiv:
Die Jahre 2013 bis 2016 – Eine Schule für alle Kinder
Die individuelle Förderung und die gemeinsame Bildung von Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gewannen zunehmend an Bedeutung.
Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 wurde die Queller Schule offiziell Standort des Gemeinsamen Lernens. Seitdem werden hier Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf gemeinsam unterrichtet. Die Zusammenarbeit zwischen Grundschullehrkräften, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen sowie weiteren pädagogischen Fachkräften wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Schulentwicklung.
Die Schule öffnete sich zugleich immer stärker für kulturelle Angebote. 2013 berichtete die Presse über Kunstprojekte und eine Vernissage, bei denen Kinder ihre Schule mit eigenen Werken gestalteten.
Ein besonderer Höhepunkt war das Zirkusprojekt im März 2015. Für eine Woche verwandelte sich die Sporthalle in ein Zirkuszelt. Die Kinder übten gemeinsam mit dem Zirkusteam artistische Darbietungen ein und präsentierten diese bei mehreren Vorstellungen. Das Projekt wurde vom Förderverein und zahlreichen Eltern tatkräftig unterstützt.
Im November 2015 begann die Zusammenarbeit mit Christinen Brunnen bei der Pflege einer Streuobstwiese in Quelle. Auf dem Gelände wurden unter Beteiligung der Kinder Obstbäume gepflanzt. Die Wiese entwickelte sich zu einem außerschulischen Lernort, an dem Natur, Nachhaltigkeit und der Umgang mit Lebensmitteln unmittelbar erfahrbar wurden.
Auch die Aufnahme und Förderung neu zugewanderter Kinder beschäftigte die Schule. Anfang 2016 berichtete die Presse über eine internationale Klasse an der Queller Schule.
Aus dem Pressearchiv:
- 2015 – Zirkusprojekt „Besser als jedes Sozialtraining“
- 13.11.2015 – Queller Grundschüler sollen vom Apfel lernen
- Weitere Presseberichte über Kunst, Schulleben und Integration
2016 – Der Offene Ganztag unter neuer Trägerschaft
Der Offene Ganztag entwickelte sich zu einer immer wichtigeren Einrichtung für die Familien im Stadtteil.
2016 übernahmen die Falken Bielefeld die Trägerschaft des Offenen Ganztags von der Arbeiterwohlfahrt. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Angebot auf 175 Plätze ausgebaut.
Mit der steigenden Nachfrage veränderten sich die organisatorischen Anforderungen. Die Räume mussten für Unterricht, Mittagessen, Freizeitangebote und individuelle Förderung genutzt werden. Die vorhandenen Gebäude stießen dabei zunehmend an ihre Grenzen.
Auch der Förderverein konnte 2016 ein Jubiläum feiern. Seit 25 Jahren engagierten sich Eltern und Unterstützer für die Queller Schule. Aus der ursprünglichen Initiative zur Organisation einer verlässlichen Betreuung war ein Verein geworden, der zahlreiche Projekte, Anschaffungen und Veranstaltungen ermöglichte. Das Jubiläum wurde mit einem großen Fest und Flohmarkt gefeiert.
Die bereits seit 2010 stattfindende Tannenbaumaktion hatte sich inzwischen zu einer festen Tradition entwickelt. Jahr für Jahr sammelten zahlreiche Helferinnen und Helfer aus der Schulgemeinschaft die ausgedienten Weihnachtsbäume im Stadtteil ein. Die Spenden kamen unmittelbar den Kindern zugute.
Aus dem Pressearchiv:
- 14.04.2016 – Die Falken übernehmen den Offenen Ganztag
- Weitere Presseberichte zum Fördervereinsjubiläum und zur Tannenbaumaktion
Die Jahre 2016 bis 2019 – Sicherer Schulweg und digitales Lernen
Die Verkehrssituation rund um das Schulgelände wurde zu einem immer größeren Problem. Zahlreiche Kinder wurden morgens mit dem Auto gebracht und unmittelbar vor der Schule abgesetzt. Insbesondere die Carl-Severing-Straße und die Berner Straße standen im Mittelpunkt der Diskussion.
Gemeinsam mit Eltern, Politik und Verwaltung setzte sich die Schule für sichere Schulwege ein. Elternhaltestellen wurden eingerichtet, die Aktion „Gelbe Füße“ machte sichere Wege für Kinder sichtbar. Die Schule warb verstärkt dafür, dass Kinder ihren Schulweg möglichst selbstständig zurücklegen.
2017 begann zugleich eine neue Phase der Digitalisierung. Die Queller Schule gehörte zu den Bielefelder Modellschulen für digitales Lernen. Zunächst standen 32 iPads zur Verfügung. Die Klassenräume wurden schrittweise mit Bildschirmen und Apple TV ausgestattet. Digitale Medien konnten nun regelmäßig im Unterricht eingesetzt werden.
Die Schule verfolgte das Ziel, digitale Arbeitsweisen nicht als zusätzliches Angebot, sondern als selbstverständlichen Bestandteil des Unterrichts zu entwickeln.
2018 – 140 Jahre Queller Schule
Im Jahr 2018 feierte die Queller Schule ihr 140-jähriges Bestehen am Standort Carl-Severing-Straße.
Das Jubiläum wurde über einen längeren Zeitraum vorbereitet. Unter anderem pflanzten die Kinder rund 5.000 weiße Tulpen und blaue Traubenhyazinthen, die im Frühjahr den Stadtteil verschönern sollten.
Ein Höhepunkt war erneut ein großes Zirkusprojekt. In mehreren Vorstellungen zeigten die Kinder, was sie in der Projektwoche gelernt hatten. Das gemeinsame Erlebnis sollte das Selbstvertrauen der Kinder stärken und die Schulgemeinschaft zusammenführen.
Das Jubiläum bot außerdem Gelegenheit, auf die Geschichte des Schulstandortes zurückzublicken. Seit 1878 hatte sich die kleine Schule mit zunächst nur einem Klassenraum zu einer großen Grundschule entwickelt.
Aus dem Pressearchiv:
- 24.02.2018 – Schule feiert eine Woche lang: 140 Jahre Queller Schule
- Weitere Presseberichte über das Jubiläum und die Schulwegsicherheit
Die Jahre 2019 bis 2021 – Die Schule braucht mehr Platz
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler sowie der Kinder im Offenen Ganztag stieg weiter. Dadurch verschärfte sich der Raummangel.
Besonders deutlich wurde dies beim Mittagessen. Im Januar 2020 berichtete die Neue Westfälische, dass die Kinder der Queller Schule in fünf Schichten essen mussten. Die kleine Mensa reichte für die vielen Kinder längst nicht mehr aus.
Auch die verfügbaren Betreuungsplätze konnten mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Immer wieder mussten Familien auf Wartelisten verwiesen werden.
Die Forderungen nach einer baulichen Erweiterung wurden deshalb lauter. Schule, Eltern und Stadtteilpolitik setzten sich für zusätzliche Unterrichts- und Betreuungsräume ein.
2021 wurde mit der sogenannten „Mensa 2“ ein zusätzliches Übergangsgebäude aufgestellt. Es sollte die Mittagsversorgung verbessern, bis eine dauerhafte bauliche Lösung umgesetzt werden konnte.
Die Diskussion über Umfang, Finanzierung und zeitliche Umsetzung der Schulerweiterung begleitete die Schule über mehrere Jahre.
Aus dem Pressearchiv:
- 11.01.2020 – Kinder essen in fünf Schichten
- 03.12.2021 – Herbe Kritik trotz vieler Millionen für die Schulen
2020 und 2021 – Schule in der Coronapandemie
Mit der Schließung der Schulen im März 2020 änderte sich auch an der Queller Schule der Alltag grundlegend.
Der reguläre Präsenzunterricht wurde unterbrochen. Lernangebote mussten auf Distanz organisiert werden. Die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus gewann eine neue Bedeutung.
Es folgten Phasen mit Notbetreuung, Wechselunterricht, besonderen Hygieneregeln und Einschränkungen des gemeinschaftlichen Schullebens. Auch die Möglichkeiten zur individuellen Förderung waren zeitweise stark begrenzt.
Für Kinder, Familien und Beschäftigte bedeutete dies eine erhebliche Belastung. Zugleich wurden digitale Kommunikations- und Lernmöglichkeiten deutlich wichtiger.
Eine personelle Veränderung gab es ebenfalls. Nach dem Ausscheiden von Jutta Meinderink übernahm Anke Holbrügge im Februar 2020 die Funktion der stellvertretenden Schulleiterin.
Aus dem Pressearchiv:
Die Jahre 2022 bis 2024 – Schulleben, Traditionen und eine große Baustelle
Mit dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen kehrten viele gemeinschaftliche Veranstaltungen zurück.
Sportfeste, Finnbahnlauf, musikalische Beiträge und Projekte konnten wieder stattfinden. Auch die Tannenbaumaktion des Fördervereins blieb ein wichtiger Bestandteil des Queller Gemeindelebens.
2023 rückte ein kleines, aber markantes Stück Schulgeschichte in den Mittelpunkt: das alte Uhrentürmchen auf dem Schulgebäude. Der Förderverein und der Heimat- und Geschichtsverein setzten sich für eine Sanierung ein. Die historische Schuluhr war längst zu einem Erkennungszeichen der Queller Schule geworden.
Anfang 2024 begann dann eine besonders bedeutende bauliche Veränderung. Die Schule erhielt den ersten zweigeschossigen Schulmodulbau der Stadt Bielefeld.
Die vorgefertigten Holzelemente wurden mit großen Kränen auf das Schulgelände gebracht und innerhalb weniger Tage montiert. Die Bauweise ermöglichte eine vergleichsweise schnelle Errichtung.
Der neue Bau umfasste acht Klassenräume für insgesamt rund 200 Kinder. Dadurch konnten die vier Parallelklassen eines Jahrgangs jeweils räumlich zusammengefasst werden. Dies erleichterte die Zusammenarbeit innerhalb der Jahrgangsteams und verbesserte die Lernbedingungen.
Trotz dieser Erweiterung blieben die räumlichen Herausforderungen im Ganztag bestehen. Insbesondere eine größere Mensa und ausreichende Sportflächen gehörten weiterhin zu den zentralen Entwicklungsbedarfen.
Aus dem Pressearchiv:
- 26.04.2023 – Prägendes Türmchen soll bleiben
- 11.01.2024 – Erster zweigeschossiger Schulmodulbau der Stadt
2025 – Ein iPad für jedes Kind
Die Digitalisierung erreichte 2025 einen entscheidenden Meilenstein.
Bereits seit 2017 hatte die Schule den Einsatz digitaler Medien systematisch entwickelt. Nun konnte das lange verfolgte Ziel einer vollständigen persönlichen Ausstattung aller Kinder umgesetzt werden.
Am 30. April begann zunächst ein Probelauf in zwei Klassen. Am 21. Mai wurden die weiteren Klassen der Jahrgänge 1 bis 3 ausgestattet. Mit Beginn des Schuljahres 2025/26 stand schließlich allen Kindern ein persönliches iPad zur Verfügung.
Die Geräte wurden von der Stadt Bielefeld kostenfrei als Leihgeräte bereitgestellt und jeweils mit Eingabestift und Tastaturhülle ausgegeben.
Die Kinder konnten ihre Geräte nun sowohl in der Schule als auch zu Hause für schulische Aufgaben nutzen. Einheitliche Vereinbarungen, eine zentrale Geräteverwaltung und technische Schutzmaßnahmen bildeten den organisatorischen Rahmen.
Die persönliche Ausstattung bedeutete für die Schule einen grundlegenden Wandel. Digitale Lernmittel standen erstmals allen Kindern gleichermaßen zur Verfügung.
Auch das Gemeinsame Lernen wurde weiterentwickelt. Nach den Herbstferien 2025 konnten drei zusätzliche Förderräume in Betrieb genommen werden: ein Ruhe-, ein Bewegungs- und ein Sinnesraum.
Die Räume wurden für Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen eingerichtet und konnten ganztägig für individuelle Angebote und Kleingruppen genutzt werden.
Aus dem Schularchiv:
2026 – Manege frei für Zirkus Dobbelino
Im Januar 2026 fand erneut eine große Zirkusprojektwoche statt.
Vom 12. bis zum 18. Januar verwandelte sich die Sporthalle der Queller Schule in eine Zirkusmanege. Gemeinsam mit dem Zirkus Dobbelino bereiteten die Kinder unterschiedlichste Darbietungen vor.
In acht Vorstellungen vom 16. bis zum 18. Januar präsentierten sie ihre Ergebnisse einem großen Publikum. Jedes Kind stand dabei zweimal in der Manege.
Das Projekt wurde durch zahlreiche Eltern und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützt. Wie bereits 2015 und 2018 zeigte sich, dass das gemeinsame Zirkuserlebnis einen besonderen Stellenwert im Schulleben einnahm.
Mit dem vierjährigen Rhythmus sollte möglichst jedes Kind während seiner Grundschulzeit an einer solchen Projektwoche teilnehmen können.
Aus dem Pressearchiv und dem Schulleben:
Die Queller Schule im Jahr 2026
Aus der Grundschule mit 338 Kindern im Jahr 2012 war inzwischen eine Schule mit fast 400 Schülerinnen und Schülern in 16 Klassen geworden.
Rund 270 Kinder besuchten den Offenen Ganztag. Unterricht, Förderung, Betreuung und schulische Sozialarbeit wurden von einem multiprofessionellen Team getragen, das insgesamt rund 100 Beschäftigte umfasste.
Die Entwicklung stellte weiterhin erhebliche Anforderungen an die räumlichen und personellen Voraussetzungen. Die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsförderung, ausreichende Sportmöglichkeiten und eine zeitgemäße Mensa gehörten zu den wichtigen Zukunftsaufgaben.
Auch pädagogisch hatte sich die Schule deutlich verändert. Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, die individuelle Förderung und das digitale Lernen waren zu festen Bestandteilen des Schulprogramms geworden.
Das Leitbild der Queller Schule brachte den gemeinsamen Anspruch zum Ausdruck:
„Wir sind verschieden – Jeder ist willkommen – Wir gehören zusammen.“
Die Geschichte der Queller Schule zeigt, wie sich schulische Anforderungen über viele Jahrzehnte verändern. Sie zeigt aber auch, wie wichtig das Zusammenwirken von Kindern, Eltern, Beschäftigten, Förderverein und Stadtteil für die Entwicklung einer Schule ist.
Die Chronik wird fortgesetzt.
Diese Chronik setzt die Aufzeichnungen von Karl-Gustav Heidemann fort. Grundlage sind die bisherige Schulchronik, schulische Unterlagen sowie Berichte der Neuen Westfälischen, des Westfalen-Blattes und des Queller Blattes.
Zur bisherigen Schulchronik 1968–2008 · Zum vollständigen Pressearchiv
